Skript zur Vorlesung
und Anleitung zu den praktischen Übungen
Klinik für Wiederkäuer
Lehrstuhl für Innere Medizin und Chirurgie der Wiederkäuer
(A. Friedrich, T. Grude, W. Klee, I. Lorenz, K. Matthies, M. Metzner,
G. Rademacher, H. Wendel)
Ausgabe WS 2007/2008
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Untersuchung
2. Spezielle Untersuchungen2.1. Haare, Haut, Unterhaut, Schleimhäute
2.2. Lymphapparat
2.3. Kreislauf
2.4. Atmungsapparat
2.5. Verdauungsapparat
2.6. Harnapparat
2.7. Bewegungsapparat
2.8. Zentrales Nervensystem
Dieses Skript ist kein Ersatz für Lehrbücher. Es ist auf die wesentlichen praktischen Aspekte der internistischen klinischen Untersuchung von Rindern beschränkt. Keine Lektüre kann eigenes Erleben und eigene praktische Übung ersetzen! Daher möchten wir Sie auch an dieser Stelle ermutigen, so oft wie möglich in die Kliniken zu gehen.
Theoretische Aspekte der Diagnostik werden in einer fakultativen Vorlesung ("Einführung in die klinische Epidemiologie") abgehandelt, wozu Sie ebenfalls herzlich eingeladen sind. Sie findet im Wintersemester statt. Ein Skript hierzu ist in Arbeit.
Im Glossar des Skriptes zur Hauptvorlesung sind einige Begriffe erläutert, die auch im Rahmen der Propädeutik von Bedeutung sind. Auf sie wird in diesem Skript in folgender Weise hingewiesen: # FENa. Das Skriptum zur Hauptvorlesung ist im Internet unter folgender Adresse verfügbar: http://www.vetmed.uni-muenchen.de/med2/
Das Angebot an Lehrmaterial der Klinik wird noch durch differentialdiagnostische Listen, Abbildungen sowie Videos ergänzt werden. Auch hieran wird gearbeitet. Hinweise zum Gebrauch (z.B. auch Einstellungen von browsern, Wiedergabe von Video- und Tonsequenzen) finden Sie unter http://www.vetmed.uni-muenchen.de/med2/gebrauch.html . Sie sind nur im Internet verfügbar. Seit dem SS 2000 wird der gesamte Inhalt dieses Skripts (und auch der Vorlesungsstoff 'Rinderkrankheiten') auf einer CD-ROM zur Verfügung gestellt, die über das Sekretariat der Klinik bezogen werden kann. Sie enthält auch alle Video- und Tonsequenzen und entspricht einer 1:1 Kopie des Internet-Angebots.
Zum Thema "Integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung" wird ein zweisemestriges interdisziplinäres Kolloquium mit praktischen Übungen angeboten. Unterlagen dazu sind in Form zweier Büchlein vorhanden.
Hinweise auf Fehler oder Unklarheiten in den Skripten sowie Ergänzungsvorschläge sind willkommen.
Zum klinischen Unterricht
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Problemorientiertes klinisches "Management" Nosographie = Beschreibung einzelner Krankheiten "klinische Makrobiologie" (FEINSTEIN) = Lebensäußerungen des gesunden und kranken Organismus |
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Untersuchungstechnik und Normalbefunde |
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Bau und Funktion des Organismus |
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Naturwissenschaftliche Grundlagen |
Das "Paradigma" der traditionellen (tier-)medizinischen Ausbildung (s. Tabelle) impliziert, daß die vorgelagerten Stufen notwendige und hinreichende Voraussetzungen für die erfolgreiche Betätigung in der Klinik sind. Das darf bezweifelt werden. Es gibt wenige Krankheiten, bei denen die Kenntnisse durch alle Stufen "durchgängig" sind. Keine noch so intensive Beschäftigung mit "vorklinischen " oder "paraklinischen" Fachgebieten führt zu dem Wissen, daß bei Listeriose des Rindes oft eine einseitige Lähmung des N. facialis auftritt. Und die Behandlung von Gebärparese mit Kalzium führt auch ohne Kenntnis des genauen biochemischen Wirkungsmechanismus zum Erfolg. Allerdings ist es befriedigender, etwas darüber zu wissen.
Eine Alternative zu dieser Ausbildung besteht im umgekehrten Zugang. Im sogenannten problemorientierten Unterricht werden Studierende der (Tier-)Medizin von Anfang an mit konkreten klinischen Fällen konfrontiert und durch die Bearbeitung dieser Fälle zur Beschäftigung mit den Grundlagenfächern motiviert. Gleichzeitig soll dadurch die Fähigkeit, Probleme (im Team) möglichst effizient zu lösen, trainiert werden. Dazu gehört auch die Beschaffung von relevanter Information.
Zur klinischen Untersuchung
Das Leitbild des praktisch tätigen (Tier-)Arztes ist, daß er nach Einholung des Vorberichtes eine klinische Untersuchung durchführt, gegebenenfalls ergänzt durch Laboruntersuchungen, auf der Basis der dabei erhobenen Befunde und seiner Erfahrung zu einer (hoffentlich) richtigen Diagnose kommt und dann zur (hoffentlich erfolgreichen) Therapie schreitet. Der Diagnose und damit der ihr vorausgehenden Untersuchung wird in der Medizin zentrale Bedeutung zugemessen. ("Vor die Therapie haben die Götter die Diagnose gestellt". )
Warum hat es Sinn, eine klinische Untersuchung durchzuführen? Diese rhetorische Frage kann nach der Grundlage und nach dem Ziel differenziert werden.
Grundlage der klinischen Makrobiologie, also der Kenntnis der Lebensäußerungen des gesunden und kranken Organismus, ist letztlich die genetische Homologie. Weil verschiedene Individuen derselben Art genetisch weitgehend identisch sind, reagieren sie auf ähnliche Einflüsse auch in ähnlicher Weise. Diese Tatsache ist eine der Voraussetzungen für Erfahrungsbildung.
Ziel der klinischen Untersuchung ist eine Handlungslegitimation über die Zuordnung eines erkrankten Individuums zu einer Krankheitseinheit.
Hinweise auf Fachliteratur
Andrews, A.H. Outline of clinical diagnosis in cattle. 1990 Wright
Dirksen, G., M. Stöber, H.-D. Gründer (Hrsg.) G. Rosenberger: Die klinische Untersuchung des Rindes. 3. Auflage, 1990 Parey
Hofmann, W. Rinderkrankheiten Band 1. Innere und chirurgische Erkrankungen. 1992 Ulmer
Jaksch, W., E. Glawischnig Klinische Propädeutik der inneren Krankheiten und Hautkrankheiten der Haus- und Heimtiere. 3. Auflage 1990 Parey
Radostits, O.M., D.C. Blood, C.C. Gay Veterinary Medicine. 8. Auflage 1994 Baillière Tindall
Terra, R.L. Ruminant history, physical examination, and records. In
Smith, B.P. (Hrsg.): Large animal internal medicine. 2. Auflage, 1996 Mosby